English Springer Spaniels        von Holstein Land

Liebhaberzucht jagdlich geführter English Springer Spaniels
 

Memoriam

 

Lara 

Lara ( Wild Hunter`s Enormous Emily )

SpZB  1667/01 
Eltern:
Multichampion Aladin von der Marienhölzung 
Quest for Fame vom Hasenschreck

30.12.2001 - 11.04.2015

  • Anw. Dt. Ch. (VDH)
  • HD A
  • Fucosidose clear
  • spurlaut

ABL 4062/J3 A3 H3

 

 

 


 

Über Lara

Lara besticht durch ihren eigenen Charakter. Sie ist die Grande Dame und immer freundlich, lernfreudig und souverän. Lara ist für mich eine einmalige Hündin, selbstbewußt, freundlich vielseitig und klug.


Lara arbeitet mit viel Passion und lernt sehr schnell. Die jagdliche Arbeit macht ihr viel Freude und sie will jeden Tag arbeiten. Das Apportieren, die Schleppe und die Wasserarbeit machen ihr große Freude und auch die Schweissarbeit macht sie hervorragend. Sie ist eine zuverlässige, passionierte Hündin und ein Tag ohne Arbeit ist für sie fast unverständlich, so nach dem Motto: Heute muß noch was passieren - Wir haben noch nicht gearbeitet. Lara apportiert auch freudig den Fuchs: Ein Fuchs mit dem Gewicht von 3 kg sind kein Problem. Fuchsschleppe über Hindernis - Lara macht es freudig. Selbst den Fuchs mit 4 kg Gewicht will sie unbedingt holen, muss ihn dann aber wegen des Gewichtes mitschleifen. Sie gibt immer alles! Beim Ansitz begleitet sie mich immer und verhält sich ruhig, zeigt aber immer Wildwitterung an. Es macht mir große Freude mit Lara zu arbeiten und schöne  gemeinsame Stunden im Revier oder bei Jagdeinladungen zu verbringen. Auf Lara kann ich voll vertrauen und wir sind sehr zusammengewachsen durch unsere gemeinsamen Erfolgserlebnisse. Lara ist mein Traumhund und die vielen schönen Stunden bei der jagdlichen Hundearbeit und im Revier geniessen wir gemeinsam. Lara bedankt sich dann auf ihre Art. Bis zum zweiten Lebensjahr waren wir regelmäßig auf dem Hundeplatz, wo Lara mit Begeisterung Agility gemacht hat und in den Wintermonaten besuchten wir auch den Obidience-Kurs. Lara ist sehr sozial und freundlich und hat auch ihren Einsatz als Therapiehund bereits gezeigt. Ihre Schwester Maxi hat sie von Anfang an adoptiert; mit ihr ist es immer fröhlich und es ist immer was los. Es wird gespielt und es wird nie langweilig. Im November 2005 bekam Lara ihren ersten Wurf mit 10 Welpen ( 6 Rüden/ 4 Hündinnnen D-Wurf und zeigte hervorragende Mutterqualitäten.



 

Maxi

 

Maxi ( Wild Hunter`s Flash)

SpZB 0621/03

Eltern: Multichampion Aladin von der Marienhölzung und Quest for Fame vom Hasenschreck

16.05.2003

  • Anw. Dt. JCh. (VDH)
  • Jugendsieger Berlin 04
  • HD A
  • Fucosidose clear
  • spurlaut

ABL 4138/A3



 

Moritz

 

Über Moritz

 

Moritz ( Gliff vom Unterried )

SpZB 0289/98J

27.02.1998 - 02.11.2013

  •  
  • HD A
  • prcd-PRA B (Träger)
  • spurlaut
  • GHL 1056/J3J3SwII/SwI

Vater: Isko vom Karwendelstein


 

GHL 1056/3J3SWII/SWI

Spurlaut 4

Moritz hat erfolgreiche spurlaute Nachzucht in 6 Würfen hervorgebracht

 




Nachsuche der besonderen Art

 

(von Roberto Dubberstein)

Dieser Bericht über eine aufregende Nachsuche mit meinem Cocker Spaniel „Gliff vom Unterried“ – Moritz genannt, soll zum Nachdenken anregen und Jagdkollegen vor Fehlern  bewahren. 

 

Es war an einem sonnigen Wochenende im Januar. Ich wollte im Revier, für welches ich vor ein paar Jahren einen Begehungsschein hatte, nach dem Rechten sehen, die Kirrung kontrollieren, und eventuell noch auf Rehwild ansitzen. Der Abschussplan war immer noch nicht erfüllt.

Bei meinem Gang durch das Revier stieß ich auf  frische Wildschweinfährten. Eine Rotte hatte wohl das von uns sogenannte Unland, eine Brachfläche bezogen, um nach der -10°C kalten Nacht die warme Januarsonne zu genießen. Ich folgte der Fährte und tatsächlich, in dem hüfthohen Gras lagen sie in der Sonne – 4 Sauen. In 20 m Entfernung stand die kleine Rotte auf und hoch flüchtig strebten sie dem schützenden Bestand entgegen. Die starke Bache und ihre zwei Frischlinge mit je ca. 20 kg waren bald verschwunden. Das vierte  Stück verharrte nach etwa 30 Metern, schlug einen Bogen nach links und kehrte an den Ausgangspunkt zurück. Als dieses Stück langsamer wurde, sah ich, dass es ganz stark auf dem linken Vorderlauf lahmte.
Sofort dachte ich an die Drückjagd von vor 14 Tagen, bei der eine Nachsuche auf eine angeschweißte Sau durch ein anderes Nachsuchengespann leider ohne Erfolg abgebrochen werden musste. Den genauen Zustand der Sau kannte ich leider nicht. Und so fehlte mir ehrlich gesagt der Mut, die Sau allein anzugehen.
Also rief ich alle Jagdkameraden, Pächter und Begehungsscheininhaber, die ich in meinem Handy gespeichert hatte an. Zum Glück erreichte ich  4 von ihnen. Samstag Mittag hat man ja eh nichts Besseres zu tun als im Revier gemeinsam zu jagen  -  an dieser Stelle unser Dank an die verständnisvollen Ehefrauen !

Bis zum Eintreffen der anderen Jäger begab ich mich auf eine nahestehende Kanzel, um die Sau von hieraus genauer beobachten zu können. Mehrfach sah ich ihren Wurf, die Teller und ihren Rücken. Sie zog langsam Schritt für Schritt und immer wieder Wind holend in die Mitte des Unlandes und tat sich nach nochmaligem Sichern hier nieder. Der Wind stand für mich sehr günstig. Nach etwa einer Stunde war das Unland mit 4 Jägern umstellt und wir konnten die Sau angehen. Der angehende Jagdkollege René war mittlerweile dort angekommen, wo ich die Sau zuletzt gesehen hatte. Mit jedem Schritt hätte er die Sau hochmachen können. Er rief mir jedoch zu: „Hier ist nichts!“. Ich empfahl ihm, in die gleiche Richtung weiter zu gehen. Er machte noch einen Schritt, da schoß sie plötzlich in 5 m Entfernung vor ihm hoch. Im dichten Gras hatte er sie nicht wahrgenommen. Sie schlug ausgerechnet die Richtung ein, die uns am wenigsten zusagte. Die Flucht ging in Richtung Hauptweg, der oft durch Spaziergänger, Jogger und Radfahrer genutzt wird.

Die Sicherheit verbot mir, gleich zu Schießen und so musste ich warten, bis die Sau aus dem Gefährdungsbereich für meine Kollegen heraus war. Ich legte mit meiner Sauer 54 an und ließ, als ich in Höhe Teller war, die Brennecke fliegen. Die Sau zeichnete deutlich, sie sackte kurz mit dem rechten Hinterlauf ein.

Der zweite Schuß wurde von meinem Kollegen abgegeben, ohne dass die Sau zeichnete.
Nach 130 m musste die Sau durch einen Graben. Sie wurde merklich langsamer, querte den Graben und war nach weiteren 100 m im Bestand verschwunden. Am ersten Anschuß waren weder Schweiß, Schnitthaar oder Knochen zu finden und das, obwohl die Sau deutlich gezeichnet hatte. Am zweiten Anschuß fanden wir Röhrenknochensplitter aber keinen Schweiß und auch kein Schnitthaar. Nach 100 Metern direkt am Grabenrand fanden wir einen Schweißtropfen und am Waldrand nach weiteren 100 Metern noch einen Knochensplitter aber keinen Schweiß. Wir beratschlagten und entschieden uns dafür, sofort den üblichen Fluchtweg in das Schilfgebiet abzustellen. Fast alle Sauen nehmen diese Wechsel in das sichere Schilf. Hier sind sie vor ihren einzigen Feinden, uns Menschen, fast absolut sicher. Schon mehrere Nachsuchen endeten hier an der Schilfgrenze und dem sumpfigen Boden. Nur bei tagelangem tiefem Dauerfrost haben wir hier die Möglichkeit, das Schilfgebiet zu betreten und selbst das ist mit höchster Gefahr für Hund und Mensch verbunden.

Also, der Fluchtweg wurde schnell abgestellt und unser Jagdkollege René, vermeldete nach ca. 30 Minuten per Handy - welch geniale Erfindung für die Jagd - dass er den ganzen Weg abgesucht und dass bisher keine Sau den Hauptweg gewechselt hatte.

Wir hatten inzwischen nach wenigen Metern im Bestand sehr viel Schweiß gefunden. Er lag auf der rechten Seite der Fährte und war weit verspritzt, was auf einen größeren Laufschuß hindeutete.

In der Annahme, dass auch diese Sau das schützende Schilf erreichen wollte, verabredeten wir entgegen der verbreiteten Lehrmeinung des „ Krank-werden-lassens“, dass wir in ca. 15 Minuten mit der Nachsuche beginnen würden.  René sollte an seinem Standort bleiben, bis wir ihn abrufen.

 

Ich bereitete mich und meinen Hund Moritz vor, nahm das Zielfernrohr von meiner Waffe, legte die Warnweste an, verstaute mein Nachsuchen-Messer im Stiefel, entfaltete das Hutsignalband  und legte Mo das Nachsuchengeschirr um.

Mo in seiner typischen „Cocker-Eile konnte es wie immer nicht erwarten, versprach doch der Ablauf der Vorbereitung endlich wieder Arbeit. Er drängte zu der Stelle, die wir vorher abgesucht hatten und ab ging die Post mit „Verwund mein Hund!“.

Mo nahm die nun 1- stündige Fährte sofort an und wir folgten ihr sehr zügig. Wir durchquerten Nadelwald, Mischwald, Himbeergestrüpp, eine umzäunte Fichtenschonung und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass die Sau immer die schwierigsten Wechsel ausgesucht hatte, um uns abzuschütteln oder uns Zweibeinern die Nachsuche so schwer wie möglich zu machen. Mo hatte damit natürlich keine Probleme.

Wir stellten bald fest, dass die Sau nicht den von uns vermuteten Fluchtweg ins Schilf annahm, sondern tiefer in den Bestand flüchtete. Per Handy leiteten wir den abgestellten Kollegen René um. Ein Jäger ging bei mir und die anderen beiden stellten die kleinen Waldstücke rechts und links ab. Nach ca. 800 m kam Mo an seinen ersten Rückwechsel. Im Restschnee etwa 50 m retour fand mein Begleiter den Abgang. Es ging weiter durch den Wald – mal mit mehr, mal mit weniger Schweiß. Nach ca. 2,5 km legten wir eine kleine Pause ein. Diese wie auch die folgenden Zwangspausen, bedingt durch das Umstellen von Schützen und Begleitpersonen, missfielen Moritz sichtlich. Es war schwer, den Hund ruhig zu stellen, er wollte unbedingt weiter. Sein Jagdinstinkt, sein Spurwille und seine Passion waren größer als der Wunsch nach einer Verschnaufpause. Trotz der -8°C waren wir ganz schön ins Schwitzen gekommen. Wie sagte mein Ausbilder bei der Vorbereitung auf die Verbandsschweißprüfungen? „Der Hund bestimmt die Richtung, der Führer die Geschwindigkeit!“. Recht hat er! Aber in der Praxis lässt man sich doch leicht hinreißen, dem Hund folgen zu wollen.

Endlich ging es für Mo weiter. Wir waren überzeugt: weit konnte die Sau nicht mehr gekommen sein! Wir hatten wieder jeweils die Wege rechts und links und den nächsten vor uns liegenden Querweg abgestellt. Ich wies meinen neuen Begleiter ein, das Umfeld vor uns zu beobachten, während ich mich auf den Hund und die Fährte konzentrieren wollte. Er sollte neben mir und der Fährte gehen, damit ich ihm nicht in die Schussbahn kommen und behindern konnte. Ich schärfte ihm ein, auf keinen Fall zu schießen, falls der Hund an der Sau dran wäre.

Zunächst ging es fast auf allen Vieren durch die Sitkafichten. Ich ärgerte mich, dass mich  meine Sauer so behinderte und ablenkte. Wiederholt blieb ich im Geäst hängen, mußte die Waffe in der rechten, den Schweißriemen in der linken Hand auf Knien und in gebückter Haltung der Fährte folgen. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass sich die Sau unmittelbar vor uns nieder getan oder eingeschoben hatte. Der Hund lag immer stärker im Riemen.

Nach den Fichten konnte ich endlich wieder aufrecht gehen. Nach weiteren 500 m (Gesamtlänge jetzt ca. 3 km) kamen wir an einen großen Ilexstrauch von  etwa 2,5 m Höhe. Als Mo kurz vor dem Strauch stand, sagte ich zu meinem Kollegen: „Pass auf, da hat sich die Sau bestimmt eingeschoben!“ Ich hatte es kaum ausgesprochen, da geriet der ganze Strauch in Bewegung. Erst dachte ich, die Sau nimmt uns an, trat auf den Schweißriemen, nahm die Waffe von der Schulter, aber sie war so schnell genau hinter dem Strauch verschwunden, dass wir gar nicht zum Anlegen kamen. Sie war verdammt schnell!

Unser rechter Außenmann René rannte noch auf dem Weg parallel zur Sau los, aber diese war im Bestand schneller. Sie durchquerte einen Graben und mehrere Abschnitte, querte den Hauptweg, an dem unser vierter Kollege Werner stand und wechselte nach weiteren 50 m und nunmehr insgesamt ca. 4 km ins Nachbarrevier. Der Kollege kam leider nicht zum Schuß, berichtete aber, dass die Sau  langsamer geworden war, und dass er beobachtet hatte, dass sie etwas schwankte.

Nach diesen 4 Kilometern mussten wir an der Reviergrenze eine weitere Zwangspause einlegen. Moritz verstand die Hundewelt nicht mehr, kratzte mich am Stiefel und deutete mir an, dass er unbedingt weiter wollte. Ich trug ihn lobend von der Fährte ab.

Unser Reviernachbar war telefonisch nicht zu erreichen und so beschlossen wir, am nächsten Tag an dieser Stelle weiter zu suchen. Wir verbrachen die Fährte, und begaben uns langsam auf den Rückweg. Wenn, wie Werner berichtete, die Sau schon schwankte, war es vielleicht richtig, die Sau über Nacht „krank werden“ zu lassen. Am Sonntag wollten wir uns um 10.00 Uhr hier wieder einfinden. Unser Bogenleiter, der inzwischen mit dem Auto eingetroffen war, übernahm es, die Genehmigung unsres Reviernachbarn einzuholen. Froh, nach der langen Strecke nicht mehr zu Fuß zu unseren Autos zurücklaufen zu müssen, nahmen wir sein Angebot, uns zu unseren Fahrzeugen zu bringen, gerne an.

Zu Hause angekommen, war erst einmal die Beichte fällig, dass der gemeinsame Sonntag ebenfalls ins Wasser fallen würde. Ich bekam trotzdem ein himmlisches Bad zubereitet, welches meinen müden Knochen und Muskeln sehr wohl tat. Ich wusste gar nicht, wo ich überall Muskeln hatte. Die überwiegend gebückte und verkrampfte Haltung spürte ich am ganzen Körper.

 

Am Sonntagmorgen die gleiche Vorbereitung. Ab dem Gang zum Waffenschrank wich Moritz keinen Meter von meinen Beinen. Eine Stunde konnte er noch im Auto schnarchen, dann durfte er wieder ran.

Wir trafen alle pünktlich am vereinbarten Punkt im Revier ein, unser Bogenleiter Horst hatte die Genehmigung eingeholt, die Sau revierübergreifend nachsuchen zu dürfen.

Wir stellten das vor uns liegende Revier ab und während ich mich fertig machte, entschied ich mich, meine Sauer, die mich gestern nur behindert hatte, bei Werner im Auto zu lassen und nahm nur meinen 38er Colt Detectiv mit. Somit konnte ich mich voll auf den Hund und die Fährte konzentrieren. Mein Begleiter mit seiner Büchse würde ja sicher immer in meiner Nähe sein.

Der Hund nahm die nun 20 Std. alte Fährte konzentriert auf. Es ging wieder durch alle möglichen Waldvarianten, aber mit immer weniger Schweiß.

Unsere Hoffnung, dass wir das Stück bereits nach wenigen Metern finden würden, sollte sich nicht erfüllen. Nach ca. 400 Metern erreichten wir die nächste Reviergrenze. Wieder telefonieren, aber Jagdkollegen haben dafür glücklicherweise Verständnis. Der Pächter, ein Arzt von Beruf, gab uns grünes Licht und ab ging die Post. Nach etwa 1000 m erreichten wir den Rand des Bestandes. Hier mußten wir erst einmal pausieren, denn wir kannten den Grenzverlauf des Revieres nicht. Also wieder Handy raus und mit dem Pächter telefonieren. Wir waren noch in seinem Revier und sollten ohne Bedenken weitersuchen, auch er würde sich nun auf den Weg machen. Man würde sich später im Revier sehen.

Also folgten wir der Fährte durch einen Graben. Hier war zu erkennen, dass die Sau im Eis eingebrochen war. Weiter ging es über ein Getreidefeld. Nach ca. 1 km kamen wir in ein kleines Laubwäldchen. Dort mußte sich die Sau eingeschoben haben und hoffentlich würde sie noch im Wundbett liegen. Am Waldrand angekommen, war auch der Jagdpächter zur Stelle. Nach kurzer Absprache über das weitere Vorgehen, umfuhr er den Bestand. Er wollte eine mögliche Flucht über den Acker und die angrenzende Autobahn verhindern. Mein Begleiter Achim, Mo und ich folgten weiter der Fährte. Wir stellten fest, dass wir uns hier in einem idealen Rückzugsgebiet befanden. Hier hatte das Wild absolute Ruhe vor Spaziergängern, Joggern, Pilzsuchern und freilaufenden Hunden.

Alles war voll mit frischen und alten Reh- und Schwarzwildfährten, dazu brach mehrfach Rehwild vor uns weg. Moritz lag fest im Riemen und nahm davon kaum Notiz. Beim abspringenden Rehwild stockte er nur kurz, äugte hinterher und nahm sofort von sich aus die Fährte wieder an. So hoch konzentriert auf einer Fährte habe ich ihn bisher nur einmal erlebt, bei der 40-Stunden Verbandsschweißprüfung . Aber für die Freude darüber war noch keine Zeit, zunächst musste ich mich konzentrieren, denn die Wundfährte führte in eine kleine Fichtenschonung. Ein idealer Schutz für das angeschweißte Stück.

Ich bat den Doc und Achim beidseitig die Schonung abzugehen und dort zu warten, während ich mit Mo der Fährte nachging. Nachgehen ist nicht die richtige Bezeichnung, denn es war ein Nachkriechen auf allen Vieren.

Die Fichten standen so dicht, dass man nur unterhalb der untersten Äste etwas sehen konnte. Ich wollte nicht riskieren, dass mir eventuell die Sau die Beine weghaut. Auf allen Vieren Moritz hinterherkriechend, dachte ich bei mir: „Gut, dass ich meine Sauer bei meinem Kollegen im Auto gelassen habe, denn hier hätte ich damit sowieso nicht schießen können!“. Der Doc und Achim teilten mir mit, dass die Sau nicht aus der Schonung gewechselt war. Also steckte sie hier drin. Nach 30 m standen wir an einem Wundbett auf einem Schneehaufen. Es war kaum Schweiß zu sehen. Ich vermutete, dass die Sau sich hier im Schnee nieder getan hatte, um sich nach der ca. 7 km langen schweren Flucht abzukühlen.

Moritz wurde lebhaft und nach 20 m sah ich vor uns  hinter einer Fichte einen reglosen Körper liegen, der einer liegenden Sau glich. Unsicher, wie ich mich verhalten sollte - Mo schnallen, rangehen oder einen gezielten Schuss abgeben - aber wie dumm, meine Sauer lag im Auto bei Werner, rief ich nach dem Pächter und der Doc war nach wenigen Sekunden bei mir. Ich wies ihn ein und bat ihn, einen gezielten Schuss auf den leblosen Körper abzugeben. Er brachte sich in Stellung und zielte auf den 15 m entfernt liegenden Körper. Diana war uns wieder nicht gut gesonnen, denn genau in dem Moment, als der Schuss brach, schnellte  die Sau plötzlich hoch und ging nach links ab. Mann, war die schnell! Wir riefen „Sau nach links“ und hofften auf einen weiteren Schuss durch Achim. Aber der folgte nicht. Ich rannte zum Wundbett - kein Schweiß, kein Schnitthaar nur ein abgeschossener Ast und Bodenverwundung. Schei….. .

Wir gingen zu Achim und wollten wissen, ob die Sau die Schonung verlassen hatte. Er verneinte und wir umstellten die kleine Schonung erneut. Ich suchte mit Moritz den Abgang.

Auf Grund der vielen Verleitfährten dauerte es eine Weile bis Moritz diesen fand. Er lag genau auf der gegenüberliegenden Seite. Diese schlaue Sau hatte nach wenigen Metern ihre Fluchtrichtung um 180° geändert und im Schutz der dichten Fichten die Schonung leise verlassen. Sie hatte uns regelrecht verladen. Die Suche ging weiter und nach etwa 50 Metern wurde Moritz erneut sehr unruhig. Er holte Witterung mit hoher Nase und nach einigen Metern sah ich warum. Ein Stück Rehwild hing mit dem rechten Hinterlauf  verendet am Zaun. Es war bereits angeschnitten. Einige Meter rechts und links von dieser Stelle war der Zaun heruntergetreten. Das Stück Rehwild muss auf der Flucht gewesen sein, sonst hätte es nicht den Weg über den Zaun gewählt.

Nach einigen Minuten der Freude über das gefundene Stück hatte Moritz begriffen, dass er  eigentlich eine ganz andere Fährte nachsuchen sollte. Er ließ sich erstaunlich leicht von dem Reh abbringen und suchte wieder ganz intensiv nach der Wundfährte der Sau. Wir befanden uns ca. 40 m vor dem Waldrand und waren uns einig, dass die Sau nicht auf das freie Feld wechseln, sondern sich eher am Rand in den Hecken einschieben oder wieder in den Bestand wechseln würde.

Da lag sie wieder - keine 70 m weiter unter einer Hecke am Waldrand. Weit war sie also nicht mehr gegangen. Ich rief nach dem Pächter und nach Achim. Der Doc war gleich bei mir und als Mo an der Sau dran war, ging sie wieder hoch und ab in den Bestand zurück. Moritz verbellte die Sau energisch und wollte hinterher. Ich hielt ihn mit dem Schweißriemen zurück. Der Doc lief parallel zur Sau in den Bestand, um sich in eine günstige Schussposition zu bringen. Ich sah, wie die Sau nach etwa 100 Metern langsamer wurde, sich auf einer freien Stelle mit Himbeergestrüpp quer stellte und verharrte.

Ich wartete auf den Schuss und fragte mich:  „Worauf wartete der Doc? Warum schießt er nicht? Besser kann er sie nicht bekommen!“ Von meiner Position aus konnte ich nur die Sau sehen, eine Baumgruppe versperrte mir den Blick zum Doc. Ich rannte in seine Richtung und sah, was der Alptraum eines jeden Jägers ist. Die Sau ging langsam auf den Doc zu. Es waren nur noch 15 m zwischen den Beiden. Sie nahm ihn tatsächlich an! 

Ich sah, wie er seine BBF anlegte, aber es folgte kein Schuss. Nun stand die Sau unmittelbar vor dem Pächter. Er legte den Lauf auf das Haupt und drückte ab. - Nichts, kein Schuss, kein Zusammenbrechen. Es folgte, was folgen musste. Im Angesicht seines Todfeindes mobilisierte dieses Stück die allerletzten Kräfte. Sie riss den Doc von den Läufen, seine Waffe flog durch die Luft. Ich kommandierte Moritz: „ Fass die Sau!“ und ließ den Schweißriemen los. Mo kam nicht weit, gerade jetzt blieb der Riemen im am Boden liegenden Geäst hängen. Ich riss ihn los und rannte zum Doc.

Am Boden liegend und mit den Füßen die Sau abwehrend, tastete er nach seiner Waffe. Als er sie endlich hatte, versuchte er damit die Sau abzuwehren. Moritz war nun auch an der Sau dran und verbellte sie. Er hatte seine Lektionen bei den letzten Jagden gelernt und ging die Sau nicht mehr so ungestüm an. Doch die Bache, als solche konnte ich sie jetzt ansprechen, nahm von ihm keine Notiz. Er war für sie keine Gefahr.

Die wütende Sau hatte sich total auf ihren Todfeind, der heute schon einmal auf sie geschossen hatte, fixiert und nahm ihn mehrfach an, attackierte ihn, biss und versetzte ihm heftige Schläge. Die Abwehr mit der Waffe zeigte keine Wirkung. Endlich stand ich neben dem Doc! Die Sau zog sich 2 Meter zurück um die nächste Attacke zu starten. Ich riss meinen Revolver aus dem Halfter und schoss 3 Mal. Die Schüsse zeigten Wirkung und die Sau sackte zurückweichend zusammen. Noch war Leben in ihr.

Jetzt nahm sich Moritz der Sau an. So wütend habe ich ihn noch nie gesehen. Es sah fast so aus, als ließe er den angestauten Frust über diese lange Nachsuche und möglicher Weise auch über die letzte große Jagd im Sachsenwald, bei der er von einer Sau geschlagen wurde, an der verendenden Sau raus.

Es war nur noch eine Frage von Sekunden, dann hatten die Leiden dieser mindestens 70 Kilo-Sau endlich ein Ende.

Nun konnten wir eine alte Verletzung am linken Vorderlauf, den sie nicht mehr aufsetzen konnte, erkennen. Dieser war verkürzt zusammengewachsen und die Schalen durch die fehlende Abnutzung extrem lang. Am gleichen Lauf fanden wir die zweite Schussverletzung von gestern. Mein Schuss hatte am rechten Hinterlauf oberhalb des Fußgelenkes den Knochen zertrümmert.

Dieses Stück ist mit diesen Verletzungen, die sicher primär nicht tödlich waren, sagenhafte 7 km (!) durch den Bestand geflüchtet, um sich hier ins Wundbett zu begeben. Vielleicht hätte sie im Winter mit elenden Qualen überlebt, im Sommer jedoch auf keinen Fall.

Was für ein gewaltiger, ehrfurchtsvoller Kampf  dieser Kreatur um Ihr Leben.

 

Die Sau hatte den Bruch verdient!

 

Ich versuchte Mo zu beruhigen, was gar nicht so einfach war. Ich glaube, auch er hatte gespürt, in welcher Gefahr sich der Doc eben befand. Der hatte sich inzwischen aufgerappelt und trat neben mich. Bleich im Gesicht und immer noch außer Atem reichte er mir die Hand und sagte: „Waidmannsheil und vielen Dank. Sie haben mir soeben wahrscheinlich das Leben gerettet, die Sau hätte mich fertig gemacht“.

Erst jetzt wurde mir bewusst, dass ich tatsächlich mit meinem 38er Colt eine 70 Kilo-Sau zur Strecke gebracht hatte.

Es brauchte einige Zeit, um das eben Erlebte zu verarbeiten.

Der Doc berichtete seinerseits, was passiert war, seine Waffe hatte mehrfach versagt, auch ein schneller Patronenwechsel führte nicht zum erlösenden Schuss. Sein linkes Hosenbein glich einem Stofffetzen und seine Wunden am Oberschenkel und Schienbein sahen nicht gut aus. Die Wunden waren nach seiner fachmännischen Einschätzung nicht so schlimm, obwohl das Schienbein schon sehr angeschwollen war.

 

Achim, der von uns als erster die Fassung wieder gewann, machte sich ans Aufbrechen.

Was uns sehr verwunderte, die Bache hatte keine Föten in sich. Sie war wohl auf Grund der Verletzung nicht beschlagen worden.

Wir zogen die Sau an den Waldrand und verstauten sie im Auto.

 

Jetzt erst kam ich dazu, Moritz für seine Leistung, an der es nichts zu tadeln gab, zu loben und zu kraulen. Ich muss sagen, ich war mächtig stolz auf seine Leistung.

 

Auch Moritz hatte sich den Bruch ohne Zweifel verdient!

 

Der Doc lud uns zu sich nach Hause ein, um diesen ereignisreichen Tag ausklingen zu lassen.

Wir saßen dort einige Zeit am wärmenden Kamin und debattierten über den Nachsuchenverlauf, mögliche Fehlentscheidungen und vor allem auch darüber, welch enorme Kräfte unser Wild im Kampf ums Überleben entwickeln kann.

 

Ich glaube, wir alle, Werner, Horst, Achim, René, der Doc und ich haben viel aus dieser Nachsuche gelernt. Es war ein Jagderlebnis, das man nie vergisst.

  

 

„Weihnachtsglocken“ im Mais

 

(von Roberto Dubberstein)

Es war 3 Tage vor Weihnachten und wir hatten fast Vollmond. Der versprochene Wildschweinbraten war immer noch nicht in der Truhe. Ich hatte in diesem Jahr so viele Nachtansitze hinter mir, aber leider war mir Diana nicht gut gesonnen. Heute war fast die letzte Gelegenheit, die Bestellungen sicher zu stellen. 

Wir hatten Hochnebel, das Thermometer im Auto zeigte -6°C und die Mondhelligkeit war hervorragend. Auf dem Weg ins Revier ließ ich beim Öffnen der Schranke wie immer Mo, meinen 10jährigen Cocker eine kleine Runde drehen, denn auch er sollte ja die ganze Nacht im Auto warten, bis ich ihn eventuell brauchen würde.

In der Nähe der Kanzel am Maisfeld zog ich mich für eine lange kalte Nacht an. Ich ging langsam über die bereits geerntete Fläche hin zur Wagenkanzel. 30 Meter vor der Kanzel vernahm ich Geräusche im Mais. Ich blieb stehen, nahm mein Glas und sah 2 Sauen in ca. 70 Metern vor mir von einer Maisfläche durch den Graben in die andere Maisfläche wechseln. 

Das waren 2 Keiler vermutlich ein 3-jähriger und ein starker Überläufer. Sie waren aber so schnell auf den Läufen, dass ich sie nicht mehr ins Zielfernrohr bekommen konnte. So ein Mist, hätte ich Mo nicht mehr raus gelassen und wäre gleich durchgefahren, dann hätte ich sicher einen von beiden strecken können. Aber wenn hätte kommt, ist haben zu spät. 

Wenn die Sauen in gleicher Richtung weiterziehen würden, dann könnte ich versuchen, einen von beiden noch von der Galakanzel aus zu strecken. Aber ich müsste mich beeilen, denn bis dahin waren es noch 300 m. Also machte ich mich so schnell und geräuschlos wie möglich auf die Socken. Ich spürte schnell, dass ich dafür viel zu dick angezogen war. Als ich den Graben am Bestand erreichte, hörte ich eine Sau im Mais blasen und dann gingen beide ab in die von mir erhoffte Richtung. In der Annahme, dass sie trotz meiner Störung noch im Mais hier und da verweilen würden, legte ich noch einen Gang zu. An der Kanzel angekommen, „enterte“ ich sie, öffnete oben leise alle Luken und machte mich zum Schuß bereit. Es dauert nicht lange, da stand der Große auf der Schneise und äugte in meine Richtung. Er war also mit der Gefahr, die von der Kanzel ausging vertraut. Ich legte an, schaltete den Leuchtpunkt zu und hatte die nun quer stehende Sau so richtig schön im Visier. Die Freude währte nur wenige Sekunden, denn meine Brille beschlug so stark, dass ich gar nichts mehr sehen konnte. Verdammte Schei…   Als ich ohne Brille schießen wollte, war die Sau weg.

Ich dampfte förmlich aus mir raus. Das schnelle Gehen war doch nicht so gut gewesen. Ich riß meinen Reißverschluß und die Knöpfe auf, mein Hut flog auf den Boden. Ich wischte die Brillengläser trocken und sah wieder durchs Fernglas. Da erschien die kleinere Sau auf der Schneise. Ich legte erneut an und wieder beschlug die Brille. Ich hätte toben können. Auch diese Sau kam davon.

Na gut, es war ja erst um 21.30 Uhr, sehr früh am Abend und die Nacht ging ja erst los.

30 Minuten später kamen 2 Sauen vom Nachbarrevier rüber. In einer Schneise im Mais kamen sie auf die Kanzel zu. Und zogen dann in einer  Entfernung von ca. 120 Meter im rechten Winkel durch den Mais weiter nach rechts. Ich konnte sie sehr gut verfolgen. Die erste Sau hatte die Größe eines Überläufers aber die 2. war riesig. Das mußte der große Keiler sein, von dem schon mehrfach die Rede war. Ich bekam ihn nur einmal kurz ins Zielfernrohr, dann war er im Mais verschwunden. Das war vielleicht gar nicht mal so verkehrt, denn er war mit Sicherheit rauschig und damit unverwertbar. 

Zum gleichen Zeitpunkt hörte ich aus Richtung der weißen Kanzel 300 m von mir entfernt ein Quieken von mehreren Frischlingen. Da ging wohl die Post ab. Die Keiler zogen genau in diese Richtung. Die Bache war wohl ihr Begehr.

Tja da zogen sie nun hin meine erhofften Keulen und Braten. Viiiiieeeer  an der Zahl. 

Aber - ich habe den „Dicken“ - garantiert ein Hauptschwein - wahrhaftig vor mir gehabt.

So sinnte ich noch eine Weile über die verpassten Chancen, als gegen 22.00 Uhr in der Schneise erneut eine einzelne Sau erschien. Mittlerweile ausgedampft, zog ich mit meiner Sauer mit der Sau mit. Die Sau sicherte lange, ehe sie die nächste Schneise betrat. Da, wo eben noch der starke Keiler stand, bekam ich sie in den Leuchtpunkt. Sie stand quer und ich ließ die Kugel fliegen. Ein Zeichnen konnte ich nicht erkennen. Ich wechselte sofort zum Fernglas und sah, dass die Sau erst nach rechts abging, dann im Mais einen Bogen nach links schlug und auf der Schneise erneut verweilte, ehe sie im Mais wieder verschwand. Das hatte noch nichts zu sagen, denn ich hatte selber schon mehrere Sauen, die mit sauberem Schuß noch 50 Meter und weiter gezogen sind, ehe sie zusammenbrachen und den inneren Verletzungen erlagen. Sie sind sehr stark und haben einen enormen Überlebenswillen.

Ich verzichtete auf die übliche Zigarettenpause und baumte ganz ruhig ab, ging zum Auto zurück um mit meinem Mo den Anschuß zu untersuchen. Ich entledigte mich erst mal meiner zu warmen Kleidung, wechselte meine dicken Winterstiefel in Gummistiefel und fuhr wieder zur Galakanzel. Dort angekommen nahm ich das Zielfernrohr von der Waffe, legte meinem Schnuffel noch die gelbe Weste mit den reflektierenden Streifen an, schnappte mir den Strahler und begab mich zum Anschuß. Dort legte ich Mo ab und untersuchte den Anschuß nach Schweiß, Knochen oder Schnitthaar. Aber außer den Eingriffen im feuchten Boden konnte ich nichts finden. Weder am Boden noch an den Maispflanzen. 

Das konnte nicht wahr sein! Ich war doch so gut abgekommen! Jetzt verstand ich die Welt nicht mehr. 4 Sauen musste ich ziehen lassen und bei der 5. finde ich keine Schußzeichen.

Bevor ich am kommenden Morgen eine Nachsuche machen musste, wollte ich Mo, der mir schon mehrere Sauen Nachts sicher verbellt hatte, zum Einsatz bringen. Eine Nachsuche nachts am langen Riemen wollte ich auf Grund schlechter Erfahrungen nicht allein vornehmen. Mo fieberte schon sehr und war nur noch schwer auf seinem Platz zu halten. Bedeutete doch ein Schuß von Herrchen für ihn immer Beute. Ich erlöste ihn von seinen „Leiden“ und befahl ihm „Such verwund“!

 

Mo nahm ohne lange den Anschuß zu untersuchen sofort die Fährte an und folgte ihr. Ab und zu ein kurzes „Jiff - Jiff „.

Dann, es dauerte nicht lange, aber es kommt einem wie eine Ewigkeit vor, da vernahm ich das heiß ersehnt Verbellen.  Endlich Standlaut  – die Sau liegt, ich habe getroffen.

Diesen Klang von meinem Todverbeller Moritz empfand ich im Moment schöner als jedes Weihnachtsleuten.

Ich eilte durch die Maisreihen zu Mo und der verendeten Sau. Da lag der Keiler nun mit  mindestens 70 kg. Ich lobte Mo dass er sie gefunden hatte, aber das interessierte ihn nicht. Er nahm von seiner Beute Besitz. Ich konnte beruhigt zum Auto gehen, die Waffe gegen ein Seil tauschen, meinen Fotoapparat umhängen und meinen Jagdfreund Werner per Handy um Hilfe bitten. 

Der Rest ist schnell erzählt. Ich quälte mich ganz schön bei der Bergung. Als ich sie aus dem Mais hatte, war ich mit meinen Kräften fast am Ende. Die Sau rutschte in jede Furche, die die Traktoren hinterlassen hatten und machte sich dort extra schwer. Dazu kam der schlammige Untergrund, der die Sau irgendwie festhalten wollte. Ich wartete am Maisrand auf Werner und wir zogen die Sau mit dem Seil und seinem Suzuki vom Feld. Es folgten das Aufbrechen und das Erstaunen. Ich fand zwar einen Einschuß, genau da wo ich ihn hin haben wollte, aber keinen Ausschuß. Das Projektil hatte sich beim Auftreffen auf einer Rippe zerteilt und die Lunge und Leber getroffen. Bis der Blutverlust den Kreislauf zum Stillstand gebracht hatte, konnte die Sau noch 80 m weit gehen. 

Welch ein Glück für mich, der Keiler war nicht rauschig. Ich konnte ihn verwerten und was das Wichtigste war, der versprochene Weihnachtsbraten war gesichert.

 

Nun konnte ich mich entspannt auch auf die richtigen Weihnachtsglocken freuen.